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Gleissysteme Innerhalb der Nenngröße H0

Es gibt zwei konkurrierende elektrische Basis-Systeme. Bis Ende der 1990er existierte noch ein drittes, dessen Produktion inzwischen eingestellt wurde.

Zweileiter-Gleichstrom

Jede Schiene bildet ein elektrisches Potential (Hersteller in Auswahl: Fleischmann, Roco, Piko, Trix, Röwa, Liliput, Lima, Rivarossi). 

Vorteil des Systems ist die breitere Auswahl an Gleissystemen und Fahrzeugmodellen; ein Nachteil ist, dass Kehrschleifen und Gleisdreiecke besondere Schaltungsmaßnahmen erfordern, um Kurzschlüsse zu vermeiden.

Mittelleiter-Wechselstrom

Beide Schienen bilden die Masse, die Mittelkontakte die Phase. Der einzige große Hersteller dieses Systems ist Märklin. Hiermit sind alle Gleisfiguren ohne schaltungstechnische Besonderheiten möglich. Nachteile sind die sichtbaren Punktkontakte im Gleis (bis Mitte der 1950er Jahre als durchgehende Mittelschiene) und die geringere Auswahl an Gleissystemen (fertige Mittelleitergleise sind wegen der geltenden Patente nur von Märklin erhältlich). Der Begriff Wechselstrom ist nach Einführung der Digitaltechnik allerdings nicht mehr korrekt, weil auch digitale Märklin-Loks einen Gleichstrommotor – Feldmagnet statt Doppelspule – haben. Ohnehin sind sämtliche Digitalsysteme, auch die der "Gleichstrombahnen", gepulste "Wechselstrom"-Systeme. Der entscheidende Unterschied ist in diesem Zusammenhang die elektrisch-funktionale Symmetrie des Gleises mit Mittelleiter.

Dreileiter-Gleichstrom (Trix Express)

Die beiden Schienen sind je einem Stromkreis zugeordnet, der Mittelleiter wird als gemeinsamer Rückleiter benutzt. Der einzige Hersteller dieses Systems war die Firma Trix; die Produktion wurde jedoch nach dem Aufkauf durch Märklin Ende der 1990er eingestellt. Bei diesem System war der unabhängige Betrieb von zwei Triebfahrzeugen auf einem Gleis ohne Oberleitung und Digitaldecoder möglich, allerdings waren die Schienen und Spurkränze deutlich höher, die Räder viel breiter als maßstäblich. Hersteller wie Mehano und Naumburg & Partner bieten neben anderen Herstellern noch einzelne Fahrzeuge, Gleise und Signale in kleinen Serien für das Trix-Express-System an. Allen Systemen war gemeinsam, dass früher, vor der Digital-Ära, die zusätzliche, d.h. auch elektrische Verwendung einer Oberleitung einen unabhängigen Betrieb eines weiteren Fahrzeugs auf demselben Gleis gestattete. Wird dieses heute gewünscht, so wird dies mittlerweile sehr kostengünstig mit Digitalsteuerung verwirklicht. Oberleitungen werden bei modernen Anlagen unter eher optischen Gesichtspunkten, weniger aufgrund möglicher Zusatzfunktionalität verlegt.

Neue Entwicklungen 

Der Gedanke, die Modelle so maßstäblich wie möglich auszuführen, hat bei den handelsüblichen Systemen seine Grenzen im Bereich der Räder und Schienen. Die handelsüblichen Modelle von Fahrzeugen weisen Räder auf, die zu breit sind und zu hohe und zu dicke Spurkränze besitzen. Bei den Schienen führt dies teilweise zu unmaßstäblichen Gleisprofilen, bei den Weichen und Kreuzungen lassen deren breite Herzstücklücken an Modelltreue zu wünschen übrig. Auch bei den Fahrzeugmodellen resultieren Maßstabs-Verzerrungen oft von den Unmaßstäblichkeiten im Rad-Schiene-System. Um auch im Rad-Schiene-Bereich zu maßstäblichen Modellen zu kommen, begannen – zunächst in Großbritannien und seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt auch in USA und Europa – Modellbahner mit der Entwicklung exakt maßstäblicher Räder und Weichen unter dem Begriff „Proto87“ bzw P87. In Deutschland wurde diese Entwicklung unter dem Namen „H0pur“ vorangetrieben.

Ein Artikel von Daniel Haberkorn

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